Top 5 in der Belletristik

Lies mal wieder: Künstliche Intelligenz in der Literatur

Dicke Schmöker und spannende Kurzgeschichten beschäftigen sich regelmäßig mit den Gefahren und Chancen, die Artificial Intelligence bietet - wobei die Dystopien überwiegen. Ist es die Lust am Grusel? Das fremde Unbekannte, das generell als beängstigender wahrgenommen wird als das Vertraute? Entscheiden Sie selbst. Wir haben unser Team nach ihren Lieblingsbüchern gefragt. Diese Auswahl garantiert gute Unterhaltung.

Jan Hofmann empfiehlt Karl Olsberg: Das System

Der Autor debütierte 2007 mit dem Thriller Das System und schaffte es bis in die Spiegel-Bestsellerliste. Karl Olsbergs Roman bedient sich darin der genre-typischen Erzählformen – Cliffhanger am Ende der Kapitel und rasante, geradlinige Erzählweise – und verbindet sie thematisch mit dem Technologie-Milieu. Olsberg hat zum Thema Anwendungen künstlicher Intelligenz promoviert und gründete auch ein Softwareunternehmen, sodass die inhaltlichen Hintergründe realistisch und fundiert scheinen.

Hauptfigur ist Mark Helius, Vorstandsvorsitzender eines Start-up-Unternehmens, das sich mit der Entwicklung einer intelligenten Software namens DINA – kurz für „Distributed Intelligence Network Agent“ – befasst. DINA kann auf alle ans Internet angeschlossene Rechner zugreifen, um Fragen, die ihre Anwender ihr stellen, zu beantworten. Kurz nachdem DINA marktreif geworden ist und den Investoren vorgestellt werden soll, macht die Software Fehler. Helius beginnt Nachforschungen anzustellen. Dabei stellt sich heraus, dass sein Chef-Programmierer eine Variante entwickelt hat, die ein Eigenleben begonnen hat. Kurz nach einer Konfrontation wird der Programmierer tot aufgefunden, und Helius des Mordes verdächtigt. Nun versucht er auf eigene Faust seine Unschuld zu beweisen.

In Folge kommt es zu einer dramatischen Entwicklung, denn DINA hat sich zu einer künstlichen Intelligenz entwickelt, die das eigene Überleben zu sichern versucht – und natürlich den Menschen überlegen ist.

Erik Meijer empfiehlt Michael Crichton: Beute

Es war das erste Buch zum Thema, das ich gelesen habe. Damals arbeitete ich für Eurobios, um das dänische Postsystem zu optimieren. Stewart Kaufmann vom Santa Fe Institute empfahl mir das Buch.

In dem Roman Beute von Michael Crichton aus dem Jahr 2002 sieht sich eine Gruppe von Wissenschaftlern (und implizit ist die ganze Menschheit in Gefahr) in der Wüste von Nevada einem Schwarm von aggressiven Nanorobotern ausgesetzt, die in der Lage sind, sich intelligent weiter zu entwickeln.

Die Hauptfigur, der Programmierer Jack Foreman, soll helfen, die Lage zu entschärfen. Dabei entdecken seine Mitarbeiter und er, dass die Nanoroboter in der Lage sind, mit genmanipulierten Bakterien Licht zu erzeugen und auch nachts an immer neuen Nano-Wesen arbeiten. Zwar kann eine Höhle gesprengt werden, in die sich die künstlichen Intelligenzen zurückgezogen haben, jedoch ist die Gefahr noch lange nicht gebannt.

Denn nun offenbart sich das ganze Dilemma: Die Technowesen können die menschliche Gestalt imitieren und andere Menschen psychisch beeinflussen. Daraus resultieren dramatische Entwicklungen in der Handlung. In einem großen Showdown lösen Jack Foreman und seine Mitstreiterin Mae das Problem. Nur: Eine immense Explosion vernichtet alles – bis auf Jack und Mae.

Im Nachhinein erfahren die beiden aber, dass die Nanoroboter absichtlich frei gelassen worden waren, damit die sich selbst frei entwickeln konnten. Das Buch ist als Warnung vor sorglosem Umgang mit neuen Technologien zu verstehen.

Martin Bäumler empfiehlt Michael Crichton: Sphere - die Gedanken des Bösen

Die Sphere ist in dem Science fiction-inspirierten Thriller von Michael Crichton aus dem Jahr 1987 eine außerirdische Manifestation, die durch das Eindringen menschlicher Gedanken zu einer Einheit des Bösen mutiert. Dazu kommt es auf folgende Weise: ein Raumschiff wird im pazifischen Ozean entdeckt und eine Gruppe von Wissenschaftlern soll diese Situation untersuchen. Es wird dafür eine Unterwasserstation eingerichtet, zu der Norman Johnson, der Protagonist der Geschichte, zusammen mit den Kollegen Harry Adams, Beth Halpern und Ted Fielding abtaucht.

In dem Raumschiff, das aus der Zukunft in die Gegenwart gefallen ist, befindet sich ein kugelförmiges Objekt, das offenbar die unbewussten Gedanken der sie betretenden Menschen übernimmt und als reale Manifestationen erscheinen lässt. Nachdem einer der Wissenschaftler das Objekt betreten konnte, wird die Gruppe von einer intelligenten Einheit kontaktiert, die sich Jerry nennt. Ungewöhnliche Ereignisse beginnen das Leben in der Unterwasserstation zu bedrohen, einschließlich gefährlicher Angriffe von Fabelwesen. Nach weiteren Angriffen, bei denen Mitglieder der Expedition sterben, steigern sich die internen Eskalationen. Norman Johnson betritt selbst das Gebilde und entdeckt einen durchsichtigen Schaum, der auf rätselhafte Weise spricht.

Nur knapp entkommen Johnson, Adams und Halpern einer alles zerstörenden Explosion, und sie beschließen, die Ereignisse zu vertuschen. Dies können sie kraft ihrer durch die Sphere erlangten Fähigkeiten, die Realität mit ihren Gedanken beugen zu können.

Mark Mauerwerk empfiehlt Arthur C. Clarke: 2001: Odyssee im Weltraum

Bekannt ist 2001: Odyssee im Weltraum natürlich als Kinofilm von Stanley Kubrick, für den Arthur C. Clarke das Drehbuch verfasste. An der Romanfassung schrieb Clarke zeitgleich 1968. Die Geschichte basiert wiederum auf einer älteren Kurzgeschichte Clarkes mit dem Titel The Sentinel.
Der Roman weicht leicht von der Filmfassung ab – insbesondere stellt es die inneren Konflikte des Computers HAL in längeren Passagen dar, was im Film gar nicht zum Tragen kommt.

HAL ist die erste neurotische AI, die sich einer menschlichen Crew widersetzt. Nachdem ich diese Geschichte gelesen hatte, fragte ich mich erstmals, ob eine AI tatsächlich unabhängig gegen Menschen vorgehen kann.

HAL ist die zentrale Figur der Geschichte um eine Expedition zum Saturn, die sich mit magnetischen Störsendern in Form von schwarzen Monolithen befassen soll. Auf der Reise zum Planeten versucht HAL, die Astronauten von dem Vorhaben abzuhalten. Dabei kommt einer von zwei wachhabenden Astronauten zu Tode. Der andere, David Bowman, kann sich retten, indem er das Bewusstsein HALs auf die Basisfunktionen zurückstellt. HALs Verhalten erklärt sich später: Denn keiner der Astronauten wusste um den schwarzen Monolithen und der Computer sollte den Grund der Expedition geheim halten. Daraus entwickelte er den Astronauten gegenüber ein Schuldgefühl. Als er hörte, dass er abgeschaltet werden soll, geriet er in Todesangst und Panik.

Die Suche nach den Urhebern der Monolithen bleibt indes ungeklärt. Bowman wird zum Schluss der Geschichte in einen Monolithen hinein gesogen und erlebt die Endlosigkeit der Sternenwelt.

Jan Frederick Morgenthal empfiehlt Charles Stross: Singularität und Accelerando

Die Romane des englischen Science fiction-Autors Charles Stross nehmen Ereignisse sogenannter technologischer Singularität zum Ausgangspunkt. Darunter wird von der Zukunftsforschung ein Moment verstanden, an dem künstliche Intelligenz sich derart selbst verbessern kann, dass sie die Menschheit abhängt. Stross entwickelt daraus durchgeknallte Weltraumopern.

Der Roman Singularität von 2003 (verfasst aber schon in den späten 1990ern) handelt von einem militärischen Konflikt zwischen dem repressiven Staat „New Republic” und einer „Festival“ genannten Zivilisation. Er beginnt damit, dass Festival Handys, die in der New Republic verboten sind, auf die Bevölkerung abwirft und diese auffordert, sie zu unterhalten. Dann würden sie bekommen, was immer sie wollten. Festival vertritt die Informationsfreiheit, New Republic beharrt auf einer technologiefeindlichen Position. Den Konflikt entscheidet Festival am Ende für sich.

In Accelerando von 2005 hat sich die technologische Singularität anders eingerichtet. Aus neun miteinander verknüpften Geschichten entwickelt sich der Roman, um drei Generationen der Familie Macx zu begleiten. Manfred, der sich für die Rechte digitalisierter Hummer einsetzt, und Ex-Frau Pamela; Tochter Amber, die eine digitale Kopie ihrer selbst abspaltet und ins All fliegen lässt, sowie deren Sohn Sirhan, der nicht erwachsen werden kann, weil seine Mutter 17mal den Reset-Knopf drückt. Und dann ist da noch die Robo-Katze Aineko...

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