Die gesellschaftliche Bedeutung von AI

Ängste vs. Visionen: Werden die Maschinen uns übernehmen?

Über den aktuellen Diskurs zur Bedeutung von Artificial Intelligence

Die aktuelle Diskussion über die Bedeutung und die Folgen künstlicher Intelligenzen ist geprägt von Zukunftsvisionen, wie wir sie aus Science Fiction-Filmen und –Literatur kennen. Woher kommen diese Ideen? Ist daran etwas Wahres? Droht uns die Übernahme durch Maschinen? Was unternimmt eigentlich die Politik, um uns zu beschützen? Oder sollten wir uns doch entspannen, weil alles halb so wild ist?

"Im Wesentlichen haben sich die visionären Diskussionen über die Zukunftsaussichten 'starker' KI und über neurotechnologiebasierte Mensch-Maschine-Entgrenzungen nach einem Muster entwickelt, das aus älteren zukunftsvisionären Technikdebatten – zum Beispiel über Nanotechnologie – bekannt ist. In mehr oder weniger eng miteinander verbundenen, relativ kleinen Zirkeln namhafter Naturwissenschaftler, Ingenieure, Autoren und Industrieller werden zum Teil sehr weitreichende Zukunftserwartungen diskutiert. Diese Erwartungen sind jedoch (...) weitgehend deckungsgleich mit Spekulationen, die bereits vor vielen Jahrzehnten angestellt wurden. Im Fall der aktuellen Debatte über ‚Superintelligenz’ (bzw. eine sehr leistungsfähige KI) wurden im Wesentlichen Motive aus den 1960er Jahren aufgegriffen – etwa die Idee einer selbstbewussten und sich selbstverstärkenden KI (Intelligenzexplosions- oder heute zumeist Singularitätshypothese) des Mathematikers Irving J. Good." [1]

Genau so alt wie die Visionen sind die Ängste, die damit einhergehen. Meist sind es solche, die aus Unwissenheit heraus entstehen. Denn auch wenn fast jeder ein Smartphone hat, so bedeutet dies keineswegs, dass sich jeder mit den verschiedenen Formen von Digitalisierung auskennt. Laut einer Umfrage der Initiative D21 ist der "Digital-Index" bezogen auf die Gesamtbevölkerung leicht rückläufig (von 52 auf 51 Punkte). Viele Menschen sind der Komplexität der Digitalisierung nicht gewachsen.  [2]

Den Untersuchungen zufolge hält nur rund die Hälfte der Bevölkerung den steigenden Herausforderungen durch die Digitalisierung stand. Während 72 Prozent der Befragten den Begriff "App" kennen und einordnen können, fällt die Kenntnis von Begriffen wie "Cloud" und "Cookies" sehr viel geringer aus: Nur etwa 52 Prozent der Befragten kennen ihre Bedeutung. Der Begriff "Industrie 4.0" ist nur 15 Prozent der Befragten bekannt; den Begriff "Share Economy" kennen 13 Prozent der Deutschen. Je spezieller die Bezeichnungen, desto weniger sind sie vertraut: Begriffe wie "Big Data" und "Internet der Dinge" sind der Mehrheit der Befragten unbekannt.

Generell stehe die Bevölkerung Entwicklungen wie der "Digitalen Revolution", der "Robotisierung der Arbeit" und der "Künstlichen Intelligenz" mit durchwachsenen Basiskenntnissen gegenüber, so die Studie.

Dabei muss sich keiner fürchten: Dystopien wie wir sie aus den Terminator-Filmen kennen, in denen die Maschinen die Herrschaft übernehmen, sind unbegründet. Vor allem lenken die Gedanken über die ferne Zukunft aber von den eigentlichen Fragestellungen ab, die genau jetzt eine Rolle spielen wie beispielsweise ethische Überlegungen.
In einem Interview mit der Computerwoche sagte Google-Managerin Diane Greene, Künstliche Intelligenz werde vorerst menschliche Intelligenz nicht überholen.
 Sie geht allerdings davon aus, dass manche Jobs durch AI wegfallen könnten: Sie wirbt daher für einen Umbau des Bildungssystems, das jeden Menschen digital bilden müsse, denn wer digital versiert sei, finde immer einen Job. [3]

Es ist also angezeigt, der Bevölkerung umfassende Digitalkompetenzen an die Hand zu geben und die Voraussetzungen zu schaffen, dem umfassenden Wandel kompetent und chancenorientiert zu begegnen. "Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, allen voran müssten ArbeitgeberInnen und das staatliche Bildungssystem reagieren. Denn Digitalkompetenzen seien unerlässlich, um adäquat auf Risiken und Herausforderungen der Digitalisierung reagieren zu können", sagt die bereits erwähnte Studie "D21-DIGITAL-INDEX - Jährliches Lagebild zur Digitalen Gesellschaft". [4]
Doch noch sind "viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darauf angewiesen, sich selbst neues Wissen und neue Fertigkeiten anzueignen. Die Bundesregierung muss darauf reagieren und Anreize setzen, damit mehr strukturierte Fortbildungsmaßnahmen angeboten werden", so Sigmar Gabriel, damals noch Bundesminister für Wirtschaft und Energie, in seinem Vorwort.

Unsere Gesellschaft und vor allem die Politik stehen also vor der Herausforderung, vorausschauend Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich das Ökosystem Artifical Intelligence sinnvoll und nachhaltig entwickeln kann. Die Bundesregierung setzte dazu eine Digitale Agenda auf, um die Weichen für die digitale Transformation zu stellen. Auf Bundesebene beschäftigt sich der Ausschuss Digitale Agenda unter anderem mit diesem Thema, der Bundestag hat zudem eine Studie beim Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) in Auftrag gegeben. Ob das alles ausreicht, wird vermutlich erst im Rückblick entschieden werden können.

Auch TAB kommt zum Schluss: "Was die KI und Robotik anbelangt, so scheint die Aussicht auf eine Machtübernahme künstlicher Intelligenzen derzeit vernachlässigbar zu sein angesichts der großen technologischen Herausforderungen (insbesondere der funktionalen Integration von Wahrnehmungs-, Planungs- und Manipulationsfähigkeiten), vor denen die Entwicklung komplexerer Serviceroboter steht. Die bisherigen Erfolge, welche die KI-Forschung unzweifelhaft vorzuweisen hat, beschränken sich auf 'lernfähige' Softwareanwendungen – intelligentes oder autonomes Verhalten im menschlichen Sinne zeigen diese in keiner Weise, sodass völlig unklar bleibt, ob und wie sich eine physisch verkörperte 'starke' KI überhaupt realisieren lässt." [5]

Nicht nur die Regierung, auch die Opposition beschäftigt sich mit dem Thema KI. Dirk Schröter, Mitarbeiter für Netzpolitik in der Fraktion DIE LINKE, schreibt auf Anfrage: "Für DIE LINKE ist seit jeher von großer Bedeutung, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Lebenswelt der Menschen hat. Wie gehen wir damit um, wenn Künstliche Intelligenz Aufgaben übernimmt, die derzeit von Menschen ausgeführt werden? Wie gehen wir damit um, wenn immer weniger Arbeit und damit Jobs da sind? Wir diskutieren dazu verschiedenste Lösungsansätze. Dazu gehören ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ein Mindesthonorar für die zunehmend in prekären Verhältnissen arbeitenden Selbstständigen. Hier sind wir aber noch mitten in der Debatte und haben noch kein Ergebnis. Auch rechtliche Fragen zum Thema Künstliche Intelligenz sind spannend. Welche Rechte hat eine KI? Was darf sie und was nicht? Und wer haftet eigentlich für Unfälle, die eine KI verursacht? (...) Das sind Fragen, denen wir uns noch nicht gewidmet haben, denen wir uns aber widmen werden."

Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, schreibt auf Anfrage: "Die aktuelle Debatte spitzt die altbekannten Diskussionslinien um den Umgang mit dem digitalen Wandel noch einmal zu. Weil sich hier der konstitutive Gegensatz Mensch-Maschine vollends aufzulösen scheint, überwiegen – ob nun utopisch oder dystopisch – aber jedenfalls extrem gezeichnete Zukunftsvisionen. Doch so rasch und radikal sich dieser Wandel vollziehen mag – bisher traten die meisten Netzentwicklungen nicht so eindeutig und einheitlich wie vorhergesagt auf. Dies ist auch bei einem so komplexen und dynamischen Phänomen wie der Künstlichen Intelligenz zu erwarten."

Viele Fragen also, auf die noch niemand abschließende, allumfassende Antworten gefunden hat. Wir befinden uns mitten in der Digitalen Revolution mit all ihren verschiedenen Facetten, Künstliche Intelligenz ist ein Teil dieser Disruption. Von Dystopien verschreckt und verängstigt den Kopf in den Sand stecken hilft niemandem. Während die Politik noch nach Rahmenbedingungen sucht, arbeiten Unternehmen wie die Deutsche Telekom bereits aktiv an diesem Thema und gestalten damit Zukunft.

Martin Bäumler, Marketing Lead für das KI-Projekt eLIZA bei der Deutschen Telekom, sagt: "Wer bei uns anheuert, hat die Chance, mit uns das Thema Künstliche Intelligenz voranzutreiben. Seit gut zwei Jahren ist unsere KI Tinka bereits in Österreich unterwegs. Wir haben also inhaltlich einiges vorzuweisen. Wir entwickeln dazu agil, mit flachen Hierarchien und einer sehr angenehmen Arbeitsatmosphäre. Wenn es derzeit ein Unternehmen gibt, dass sich wirklich erfolgreich mit dem Thema auseinandersetzt, dann ist es die Deutsche Telekom."

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[1] http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/zusammenfassungen/TAB-Arbeitsbericht-ab167_Z.pdf
[2] initiatived21.de/app/uploads/2017/01/studie-d21-digital-index-2016.pdf
[3] http://www.computerwoche.de/a/das-menschliche-gehirn-bleibt-vorerst-ueberlegen,3327289
[4] https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/D21_Index2016_WEB-final.pdf
[5] http://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/zusammenfassungen/TAB-Arbeitsbericht-ab167_Z.pdf

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