Interaktion mit KI: Design, Technologie oder Psychologie?

Interview mit Dr. Kinga Schumacher, Informatikerin am DFKI

Interfaces sind das Tor zur Künstlichen Intelligenz. Die Informatikerin Dr. Kinga Schumacher gestaltet diese Übergänge. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Berlin.


Warum beschäftigen Sie sich mit intelligenten User-Interfaces?

Im Rahmen meiner Forschungsarbeit bemerkte ich, dass es nicht ausreicht, den Computer sehr intelligent zu machen. So lange die Benutzer Informationstechnologie nicht akzeptieren, nicht verstehen oder nicht damit umgehen können, so lange ist das wenig hilfreich. Deshalb ging ich in Richtung intelligente Benutzerschnittstellen.


Warum erforschen Sie bestimmte Interfaces für bestimmte Zielgruppen?

Denken Sie an Blinde oder Taube,  Menschen mit Parkinson oder an Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen – für bestimmte Kulturen zum Beispiel haben Symbole oder Farben oft ganz andere Bedeutungen. Denken Sie an Multilingualität oder daran, dass wir nicht alle Digital Natives sind – es gibt weiterhin sehr viele Personen, die IT-unerfahren sind und Ängste gegenüber Technologien haben. All diese unterschiedlichen Menschen sollten mit der Technik umgehen können, und dafür brauchen wir Benutzerschnittstellen.


Inwieweit ist das Design, Technologie oder sogar eher Psychologie?

Das ist alles drei zusammen. Von der Design-Seite betrachtet, mache ich hauptsächlich Interaktions-Design. Um das umzusetzen werden natürlich Technologien verwendet und dabei ist für mich die Kommunikationstechnologie besonders wichtig. Ich betrachte Technologie und die Konzeption für eine Benutzerschnittstelle aus kommunikationstechnologischer Sicht.


Was ist denn wichtiger: Sprache oder Design?

Das Aussehen ist wichtig, denn wir stehen ästhetischen Dingen positiver gegenüber als unästhetischen. Aber viel wichtiger ist die Sprache: Die Begriffe und Beschreibungen, die wir verwenden, müssen auch Technik-Unerfahrene oder Technik-Ängstliche verstehen, um mit der Software oder sonstiger Technik, die wir hier betrachten, umgehen zu können.


Wie stellen Sie sich einer solchen Aufgabe?

Üblicherweise führe ich zunächst zwei Anforderungsanalysen durch. Eine technische, die sich mit der aktuellen Technikentwicklung befasst, um zu bestimmen, welche Hardware- und Softwaretechnologien sich eignen würden. Gleichzeitig führe ich eine Zielgruppen-Analyse durch, die sich mit unseren Benutzern befasst, und eine Bedarfsanalyse, um festzustellen, welche Anforderungen die Benutzer mit sich bringen. Welche Besonderheiten gibt es, die ich berücksichtigen muss, und was ist der reale Bedarf?

Die besondere Herausforderung dabei ist, Methoden zu entwickeln, um mit Benutzern zu kommunizieren und dabei für mich wichtige Informationen zu erhalten. Denn meine Fragen könnte ich zwar stellen, aber die sind für Laien oft wenig verständlich.


Was passiert – technisch gesehen – bei einer solchen Entwicklung?

Technisch gesehen werden Hardware- und Softwarekomponenten ausgewählt, um die Anforderungen und den Bedarf einer Benutzergruppe erfüllen zu können.


Selbstlernende Systeme ermöglichen individualisierte Interfaces? Ist das die Zukunft?

Adaptive Benutzerschnittstellen sind auf jeden Fall ein Teil der Zukunft. Wenn wir eine Technik erschaffen wollen, die für all diese vielen unterschiedlichen Benutzergruppen, die wir eben angesprochen haben, zugänglich ist, und die all diese Zielgruppen auch bedienen können, oder eine Technik, die im Gegenzug all diese Zielgruppen bedient, dann brauchen wir adaptive Benutzerschnittstellen. Die müssen sich an diese Benutzer anpassen können.


Wie kann KI uns ein besseres Leben ermöglichen?

Meiner Meinung nach nicht durch humanoide Roboter. Denken Sie daran, wie unser Leben mit Smartphones ohne Sicherheitstechnik oder mit modernen Autos ohne Unterstützung für die Fahrer wäre. In beidem steckt bereits sehr, sehr viel KI drin.

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