Frauen in der AI-Branche

Interview mit Dr. Tina Klüwer

Computer-Linguistin und KI-Forscherin Dr. Tina Klüwer gründete 2015 mit anderen Partnern parlamind. Das Start-up hat eine Technologie entwickelt, die in der Lage ist, menschenähnliche Dialoge zu führen. So können Maschinen mit Kunden und Interessenten auf eine menschenorientierte Art und Weise in Dialog treten. Klüwer ist Pionierin – im Bereich KI, aber auch nicht zuletzt, da Frauen im Bereich Technologie seltener zu finden sind.


Woran liegt das, dass es in Deutschland so wenig Frauen im Bereich KI gibt?

Ich habe nicht den Eindruck, dass es explizit im Bereich KI wenig Frauen gibt. Mir scheint die KI da ähnlich zur allgemeinen Informationstechnologie aufgestellt zu sein. In anderen Ländern ist es anders. In Indien zum Beispiel gibt es auch in Engineering-Teams eine größere Frauenquote. Ich kann nicht sagen, wie es in anderen europäischen Ländern ist, da fehlt mir der Vergleich.

In Deutschland scheint es da mehr Schwierigkeiten zu geben. Die Gründe dafür sind meiner Meinung nach sehr vielfältig und lassen sich nicht einfach auf einen Nenner bringen. Ich bin auch kein Gender-Experte, aber es liegt natürlich keineswegs daran, dass Frauen das nicht können oder wollen.

Um aber mal eine persönliche Erfahrung zu schildern, die mich sehr beindruckt hat: Vor einigen Jahren habe ich einen zweisemestrigen Programmierkurs in Perl an der Universität in Bonn im Studiengang Kommunikationswissenschaften gegeben. Der Studiengang war nicht sehr technisch ausgerichtet. Unter den Studierenden waren auch viele junge Frauen. Und im Grunde habe ich ihnen in diesen zwei Semestern nicht nur Perl beigebracht, sondern vor allem versucht, den Studierenden – nicht nur den Frauen – die Unsicherheit zu nehmen, dass sie das nicht können. Ich habe zwei Semester immer wieder gesagt: "Ihr müsst keine Angst davor haben! Es ist nur eine Maschine. Die macht das, was ihr wollt". Ich spüre hier eine unsichtbare innere Barriere, die ich nicht genauer definieren kann. Es gibt aber viele wirklich tolle Initiativen, schon Mädchen Spaß an den MINT-Fächer zu bieten, zum Beispiel den Girls-Day oder internationale Projekte wie die Geek Girls Carrots, GirlsWhoCode oder die Geekettes. Ich sehe die Entwicklung da positiv.


Gehen Frauen anders an das Thema KI heran?

Das glaube ich nicht. Ich sehe keinen Unterschied in der Wahrnehmung und im Umgang mit KI bei Männern und Frauen, weder im privaten noch im beruflichen Kontext. In unserem Team bei parlamind haben wir sowohl Entwicklerinnen als auch Entwickler für die Implementierung der KI. Diese Diversität ist toll und hat viele positive Effekte für uns, aber in der Herangehensweise an die Aufgabe gibt es da keinen Unterschied.


Was empfehlen Sie jungen Menschen, die sich für das Thema KI interessieren oder in dem Bereich etwas machen wollen?

Es gibt in der KI wirklich viele Bereiche. Daher sollte sich jeder, der beispielsweise Informatik studieren will, die Ausrichtung seines Wunschfachs vorher genau anschauen. Man kann zum Beispiel Computer Linguistik, Robotic oder Machine Learning machen. Wenn man gern mit Sprache arbeitet, ist man in einem Unternehmen, das sich auf Industrieroboter und Machine Learning fokussiert, nicht so gut aufgehoben. Was ich ferner empfehlen würde: Macht auf jeden Fall ein Praktikum oder zwei, um in alle Bereiche hineinzuschnuppern.


In wie fern haben Sie bisher mit der Deutschen Telekom zusammen gearbeitet?

Ich muss gestehen, dass ich mit dem Telekom-Mutterkonzern bisher leider kaum Berührungspunkte hatte. Aber ich kenne natürlich den Innovationsinkubator des Unternehmens – hub:raum, den finde ich großartig. Die Mitarbeiter des hub:raum machen wirklich einen tollen Job, indem sie Infrastruktur und Netzwerke schaffen, Teams unterstützen und die Start-up-Landschaft nicht nur in Berlin mitprägen. Dort sind jetzt auch einige KI-Teams dabei.

Der hub:raum hat uns auch immer unterstützt, zwar nicht finanziell, aber mit Wissen, Netzwerk und allem Möglichen. Er gibt sich sehr große Mühe, in Berlin die Teams zu erkennen, die zusammenpassen, und die richtigen Menschen auch zusammenzubringen. Es würde schon ein ziemliches Loch in die Szene reißen, wenn es den hub:raum nicht mehr gäbe.

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