Künstliche Intelligenz wird die Welt retten

Interview mit Fabian Westerheide

Fabian Westerheide ist Geschäftsführer von Asgard – human VC for AI, der KI-Konferenz Rise of AI und Koordinator für künstliche Intelligenz beim Bundesverband Deutscher Startups. Der Unternehmer, Venture Capitalist und Autor sorgt mit seinen Investitionen in künstliche Intelligenz dafür, dass wir weniger arbeiten, gesünder leben und es uns besser gehen wird. In der Vergangenheit war Westerheide als Unternehmer und Investor in 35 digitalen Firmen involviert, unter anderem Delivery Hero, Point Nine Capital, Team Europe, Parlamind, Micropsi Industries und Accelerated Dynamics.


Was ist eigentlich künstliche Intelligenz?

„Künstliche Intelligenz“ ist ein Überbegriff. Wir sprechen hier von sehr gut trainierten digitalen Experten, die deutlich leistungsfähiger sind als wir. Wir reden von Kollektiv-Intelligenzen, bei denen sich Wissen sofort auf alle Mitglieder verbreiten kann; in der Schwarm-Technologie bei Drohnen zum Beispiel oder bei autonomen Autos, die untereinander kommunizieren. Es geht um Aufgaben, die Menschen früher selber machen mussten: Sei es in der Kranken- oder Altenpflege, Aktienhandel oder E-Mails beantworten – das kann alles eine KI übernehmen. Das Thema ist einfach extrem groß und mehr als nur eine Technologie, mit der man Geld verdient. Sie hat gesellschaftliche, politische, militärische und natürlich auch ökonomische Indikationen.


Kann man das vergleichen mit der Entdeckung des Feuers, der Erfindung des Rades oder des Buchdrucks? Oder ist das noch mehr?

Das kann man gar nicht vergleichen. Wir haben in den Vierzigern des letzten Jahrhunderts mit Computern angefangen, in den Fünfzigern mit KI und heutzutage sind wir in einer Beschleunigungskurve drin und bauen KI-Systeme, die dem Menschen in bestimmten Fachbereichen teilweise überlegen sind. Wir erschaffen intelligente Lebensformen in verschiedenen Ausprägungen.

Das ist ähnlich vergleichbar mit der Entwicklung des Menschen vor zweieinhalb Millionen Jahren. Auch das hat viele Iterationen gebraucht. Bis der Homo Sapiens vor 60.000 Jahren kam, hat es eine Weile gedauert. Aber in dieser langen Zeitspanne ist das entstanden, was uns ausmacht: unsere emotionale und kognitive Intelligenz, unser räumliches Denkvermögen, unsere Augen, unser Geruchssinn, unser logisches Denkvermögen, unsere Vorstellungskraft, unsere Sprache. Jeder einzelne hat ganz viele verschiedene Intelligenzformen und besitzt viele Fähigkeiten, die zusammenarbeiten.

Das versuchen wir in einer Generation zu reproduzieren. Ohne das Internet könnten wir das nicht. Für mich ist künstliche Intelligenz die logische Fortsetzung des Internets. Das Internet hat den Zugang erschaffen, sowie die Infrastruktur und die nötigen Daten generiert. Mithilfe künstlicher Intelligenzen wächst das Internet noch viel enger zusammen. Es wird dafür sorgen, dass wir viel weniger am PC sitzen und auf das Netz zugreifen, sondern dass die Maschine mehr auf uns zukommt. Wie vorher schon das Smartphone: Diese Gerät ist nicht bloß ein Mini-Computer, es ein Zugang zu ganz vielen Möglichkeiten, direkt an meinem Körper.


Warum investieren Sie so viel im Bereich Künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz wird die Welt retten. Ich gehe sogar soweit und sage, es ist die zweite kognitive Evolution. Wir erschaffen eine komplett neue Form von Intelligenz. Wir haben bereits heutzutage künstliche Intelligenzen, die viel klüger sind als wir Menschen und uns beim Schach oder im Go-Spiel übertreffen.


Können wir mit unserer letztlich begrenzten Vorstellungskraft uns überhaupt vorstellen, was da noch kommt?

Teilweise. Fangen wir mal damit an, was wir uns noch vorstellen können:

  • Landwirte nutzen beispielsweise künstliche Intelligenz. Mithilfe eines vernetzten Sensors, der über die Cloud und einen Satelliten kommuniziert, misst er den Phosphat- oder Sauerstoffgehalt der Böden. Wenn der Landwirt große Anlagen hat, kann das sehr sinnvoll sein, denn er muss nicht mehr das ganze Feld düngen und muss Pestizide nur dort versprühen, wo er auch wirklich ein Problem hat. Man könnte das auch per Satellitenüberwachung machen. Das KI-System wertet die Fotos aus und sagt präventiv, was getan werden muss, um den Ertrag zu optimieren. Das ist eine intelligente Leistung. Sonst müsste der Mensch manuell hingehen und da nachschauen.
  • Dank künstlicher Schwarmintelligenz können selbstfahrende Autos untereinander kommunizieren und ihr Tempo so abstimmen, dass kein Stau mehr entsteht. Oder sie teilen einander mit, welche Strecke man nicht befahren sollte, weil da gerade Stau ist.
  • KI-Systeme, die Schach spielen und sehr gut sind in logischen Aufgaben, können wir auch uns noch vorstellen.

Was wir uns nicht vorstellen können: eine so genannte AGI, eine Artificial General Intelligence, also das, was der Mensch als ebenbürtig ansieht. In dem Moment, wo du eine Maschine hast, die auf Menschenlevel intelligent arbeitet, die sprechen, reden, hören, sehen und lernen kann wie wir Menschen, wird sie wahrscheinlich am nächsten Tag das gesamte digital verfügbare Wissen über das Internet herunterladen und daraus lernen. Und am Tag drei ist die Intelligenz wahrscheinlich schlauer als die gesamte Menschheit zusammen. Das kann uns passieren. In dem Moment können wir das nicht mehr verstehen. Es gibt ein paar Leute, die sich damit auseinandersetzen wie Stephen Hawking oder Bill Gates. Das kann in fünf Jahren passieren, es kann aber auch sein, dass wir das in 20 Jahren noch nicht geschafft haben. Aber die Intelligenz, die wir nicht verstehen, kommt.

Es ist jetzt schon so, dass Du einem selbstfahrenden Auto nicht sagst, was der Befehl ist. Du kannst ihm nicht sagen, wie es lernen soll. Wie diese Maschinen denken, siehst du nicht mehr. Du kannst nur mit sehr sehr viel Aufwand die sogenannte Black Box herausnehmen und das neuronale Netz versuchen zu entschlüsseln. Dabei kommen Hunderte DIN A4-Seiten Code heraus. Diesen Code könntest du dann lesen und versuchen zu verstehen. Aber aktuell ist es wie in einem Gehirn: Wir wissen nicht, wie die Entscheidung zustande kommt. Das ist aber auch das Schöne, diese Systeme können mitlernen. Du musst ihnen nicht sagen: Diese Daten ergeben das Resultat. Sondern du sagst ihnen: Hier sind die Daten, das hätten wir gerne als Resultat, finde es selbst heraus.


Sind denn Dystopien wie in den Terminator-Filmen denkbar und vielleicht gar nicht mehr so weit weg?

Von Szenarien wie in Terminator bin ich kein Freund, weil so etwas Angst macht. Aber KI sollte keine Angst machen, künstliche Intelligenz wird dafür sorgen und sorgt bereits jetzt dafür, dass wir weniger arbeiten, gesünder leben und es uns besser geht. Das Smartphone ist dafür bestes Beispiel, wenn man es richtig einsetzt. Es hilft uns, Zeit zu sparen bei der Kommunikation und anderem, in das man früher mehr Zeit investieren musste. Einen Brief zu schreiben hat früher viel Zeit gekostet – wenn man ein Wort falsch geschrieben hatte, musste man die ganze Seite noch einmal neu schreiben, wenn keiner den Fehler sehen sollte. Danach musste der haptische Brief dann noch zeitaufwändig transportiert werden. Heute kann man die gleiche Nachricht per Sprachsteuerung bequem vom Handy schreiben und verschicken lassen, das alles innerhalb von Sekunden. Da steckt eine Menge Intelligenzleistung dahinter.
 
Die Zukunft sieht ja eher auch so aus, dass der Mensch plus Maschine arbeitet, nicht die Maschine allein. Der Doktor nutzt künstliche Intelligenz, um Röntgenaufnahmen auf Krebs zu scannen. Heute braucht er 20 Jahre Erfahrung mit Spezialausbildung und hat trotzdem noch eine Fehlerquote von fünf Prozent. Eine KI hingegen kann das mit 99,9 Prozent richtig diagnostizieren. Die Resultate werden schneller kommen, günstiger und qualitativ besser. Man lebt länger, weil man mit ärztlicher Unterstützung von KI-Systemen bessere Gesundheitsberatung erhält. Aber der Arzt wird immer noch die Beratung machen. Der Arzt wird immer noch das Blut abnehmen, die Resultate interpretieren und den Patienten beraten und aufgrund seiner Erfahrung eine Empfehlung aussprechen. So wird es in vielen anderen Bereichen sein: Es wird immer Mensch plus KI sein.
 
So etwas wie Skynet aus Terminator lassen wir jetzt mal außen vor, denn das ist eine militärische Anwendung gewesen. Vor Militär wird man immer Respekt haben müssen, weil das Militär nie das Wohl der Menschheit im Blick hat. Natürlich hat KI das Potenzial, eine Waffe zu sein. Aber man darf nicht vergessen: KI-Systeme lernen von uns. Du prägst sie, durch die Daten, die du hinein gibst. Das ist so ähnlich wie bei Kindern. Du kannst ein Kind so erziehen, so dass es ein guter Mensch wird und du kannst ein Kind so erziehen, so dass es ein böser Mensch wird. Ein Kind wird aber nicht zu einem bösen Menschen, weil es von Geburt aus böse ist. Und so ist es auch mit KI. Wir haben es selbst in der Hand. Wir bauen gute oder schlechte KIs. Sie sind anfangs ein unbeschriebenes Blatt.
 
Zum anderen ist es natürlich die Frage der Motivation. Noch ist eine KI nicht gierig, korrupt oder machtgeil. Das heißt, diese ganzen schlechten oder guten menschlichen Eigenschaften sind in den KIs nicht drin. Zudem hat sie gar keine Intension, die Menschheit zu vernichten oder ihr zu schaden.
 
Es wird Fälle geben, bei denen wir regulierend dagegen steuern müssen. Wenn beispielsweise durch eine KI die Finanzindustrie auf einmal aus dem Ruder läuft, sie lauter Ramsch-Hypotheken verkauft und so ganze System herunterzieht, müssen wir einspringen. Diese Systeme sind alle von Menschen gemacht und damit sind die Fehler von Menschen gemacht und auch die KI-Probleme, die auftreten, werden von Menschen sein. Weil die Menschen schlechte Anreize gegeben und sie falsch programmiert haben. Wir werden davon lernen und das Ganze mitsteuern. Hier werden auch dementsprechend die Regularien und die Aufsichtsbehörden nachschießen, man muss das alles nur rechtzeitig auf dem Schirm haben.


Warum glauben Sie, ist die Deutsche Telekom das richtige Unternehmen, wenn es um KI geht?

Die Deutsche Telekom ist ein Telekommunikationsunternehmen. Sie hat die Kontakte zu B2B und ist strategisch gut dafür aufgestellt, um in dem Bereich führend zu sein. Wenn die Telekom das nicht hinkriegt, wer denn sonst?

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