Von Haute Couture bis Wühltisch: KI und Fashion

Von Haute Couture bis Wühltisch: Künstliche Intelligenz und Fashion


Der Vertrieb rund um Mode wird smarter, künstliche Intelligenzen unterstützen den Kunden, die richtige Farbe und die passende Größe zu finden. Zufriedene Käufer haben den positiven Nebeneffekt, dass es weniger teure Retouren gibt. Aber auch im stationären Handel erhöhen KIs das Einkaufserlebnis. Längst experimentieren Modedesigner bei Kreation und Herstellung mit modernster Technik und sogar die Mode selbst wird smart. Egal, was man davon hält, ob Lagerfeld oder Computer mithilfe maschinellen Lernens Entwürfe schaffen, eines ist sicher: Auch in Zukunft sorgen Trends für Kunden, die auf der Suche nach angesagten Looks und topaktueller Mode sind.

Während die einen auf einer Shoppingtour aufblühen und nicht genug Kleidungsstücke anprobieren können, sind andere verzweifelt. Welche Hose soll es denn sein? Soll sie eng sitzen? Leger? Oder tailliert? Schwierige Fragen, gerade beim Online-Shopping. Wie gut, dass künstliche Intelligenz weiterhilft. Beispielsweise bietet Levi’s mit seinem Virtual Stylist eine Möglichkeit, die großen Fashion-Glaubensfragen mithilfe einfacher Fragen zu lösen und so den Kunden durch den Verkaufsprozess zu führen.

Per Facebook Messenger oder Chat auf der Levi's Website kommuniziert der Bot mit den interessierten Fashionistas: „Ich bin hier, um dir persönliche Empfehlungen zu Styles und Größen zu geben.“ Er versteht natürliche Sprache und lässt den Kunden auch bei der schwierigen Frage nach der Größe nicht im Regen stehen. Mithilfe von „TrueFit“ erhält dieser personalisierte Empfehlungen zu Passform und Größe für jeden Style. „TrueFit weiß, was dir passt, indem Daten von Tausenden weltweit führender Marken mit den Kleidungsstücken und Schuhen verglichen werden, die dir am besten passen. TrueFit lernt mit der Zeit dazu, welche Sachen dir passen und welche Art von Kleidung und Schuhen du magst“, verspricht der Mode-Bot. [1]


Fashion-Bots aus Silicon Valley

Entwickelt hat den Bot Mode.ai, ein Start-up aus Palo Alto. Eitan Sharon, CEO des Unternehmens, sagt: “Er dient der Kundenbindung, hilft aber auch beim Verkauf. Unsere KI-Technologie liefert all das, was eine reine Text-basierte Suche nicht bieten kann.“ [2]

Mode.ai hat auch für Louis Vuitton eine KI erschaffen, die per Facebook Messenger Kunden berät und inspiriert. Michael Burke, CEO des Luxus-Labels, sagt: “Bei Louis Vuitton denken wir immer zuerst an den Kunden. Heutzutage sind unsere Kunden gerne mit dem Louis Vuitton-Universum verbunden, egal wo sie sind. Sie kaufen weltweit in unseren Geschäften ein und stehen oft in Kontakt mit ihrem Personal Shopper. Sie folgen uns auf Facebook, Twitter, Instagram und finden unsere Produkte auf louisvuitton.com. Wir wollen mit dem Virtual Advisor einen Service rund um die Uhr anbieten, um ihre Bedürfnisse voll erfüllen zu können.” [3]

Das Shopping-Erlebnis in einer Louis Vuitton-Boutique in Paris, München oder Rom wird ein Bot natürlich niemals ersetzen können. Aber KI hat auch offline die Chance, die Modewelt zu verändern. Mehr als 75 Prozent der Fashion Retailer planen in den Jahren 2018/19, in KI zu investieren.

Einer, der es bereits macht, ist Farfetch’s „Store of the Future” mit automatischer Kundenerkennung am Eingang, digitalen Kleiderbügeln und smarten Spiegeln. Dies erlaubt dem Kunden Größen und Farben direkt auszuwählen und beispielsweise anstatt dem grünen Kleid im Spiegel ein gelbes Kleid zu zeigen. So verbinden sich die Vorteile der Online-Welt nahtlos mit dem echten Leben.


KI entwirft Mode

Einen Schritt weiter ging Project Muze, ein gemeinsames Fashion-Experiment der Online-Modeplattform Zalando und Google. Es war der Versuch, maschinelles Lernen erstmals für die Kreation von Mode zu nutzen. User beantworteten auf einer Website Fragen und gaben kreativen Input, daraus entstanden virtuelle Designs.
 
Project Muze basiert auf Googles Open-Source-Plattform TensorFlow. Kern des Experiments ist eine „Design Engine“, die aus einem neuronalen Netz besteht. Um sie kreativ zu machen, hat Google sie mit Farb-, Material- und Style-Präferenzen von über 600 Modeexperten trainiert. Mit der Zeit hat das neuronale Netz gelernt, bestimmte Präferenzen zu erkennen und vorherzusehen, welche Art von Look einem Nutzer gefallen könnte. Um die Designvorschläge noch passender zu machen, greift die „Design Engine” zusätzlich auf Informationen aus dem Google Fashion Trends Report zurück. [4]

Auch hier ging es vornehmlich um Marketing in Form von Gamification. Der User beschäftigte sich spielerisch mit der Marke Zalando, zudem schlug das System passend zum Entwurf Produkte vor, die ihm ähnlich waren. Die Ergebnisse ließen sich sehen: Im ersten Monat entstanden 40.424 Fashion Designs, die Media-Reichweite war immens und auch in den sozialen Netzwerken schlug das Projekt unter #projectmuze millionenfach ein.
 
Doch bekommt man hier auch einen Vorgeschmack auf die Zukunft: Eines Tages wird es jedem möglich sein, seinen individuellen Entwurf per 3D-Drucker zum Leben zu erwecken. Übrigens keine Utopie: Karl Lagerfeld experimentierte bereits damit und 2016 führte US-Schauspielerin Kate Hudson auf einer Gala in New York City ein gedrucktes Abendkleid von Versace vor. [5]

Doch zurück zu Project Muze: Drei der virtuellen Designs transformierte Zalando dann tatsächlich in echte Kleidung. Die Entwürfe der internationalen Fashion Blogger Wana Limar, Anthony Bogdan und Sofia Tsakiridou präsentierten Models in Fleisch und Blut auf der Bread & Butter 2016 in Berlin.


Fashion-Vorhersagen

Der Trendreport „The State of Fashion“ sagt für 2018 voraus: „Das Potenzial von KI für die Modebranche geht über Supply-Chain-Prozesse und Automatisierung hinaus, da es über typische Maschinenaufgaben hinausgeht und die Grenzen zwischen Kreativität und Technologie verwischt. Führende Modefirmen werden es nutzen, um den kreativen Prozess, das Design und die Produktentwicklung zu verbessern. Sie werden beispielsweise mithilfe von Algorithmen riesige Datenmengen durchsuchen, um vorherzusagen, welche Produktmerkmale die Kunden am ehesten bevorzugen.“ [6]

Wie zum Beweis nutzten das indische Designer-Duo Falguni und Shane Peacock bereits IBMs Watson, um die Zukunft der Bollywood-Mode zu kartieren und ließen mehr als 600.000 Bildern von Fashion Runway Shows und indischer Couture analysieren.

Nicht nur die Produktion und der Vertrieb von Mode wird smarter, auch die Kleidung selbst wird intelligenter. Tragbare Technik revolutioniert die Mode, insbesondere im Bereich der Sportkleidung. Auch Strümpfe für Demenzkranke, mit denen man sie tracken kann, falls sie sich verlaufen haben, oder Armbänder für Insulin-Kranke, die den Blutzuckerspiegel messen und automatisch Insulin spritzen, sind spannende Entwicklungen.

Vor diesem Hintergrund hat die Telekom die Initiative „Fashion Fusion“ ins Leben gerufen und sich ein weiteres Mal als Innovationstreiber positioniert. Die nächsten kreativen Ideen und Konzepte mit Marktpotenzial stellen Designer und Start-ups auf der Berlin Summer Fashion Week 2018 vor. [7]

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Quellenangaben:

[1] Facebook Messenger: Levi’s Virtual Stylist, (abgerufen am 09.01.2018)

[2] Forbes:
The New Levi's Chatbot Aims To Help Shoppers Find The Perfect Pair Of Jeans
vom 04.09.2017, (abgerufen am 12.01.2018)

[3] Forbes Magazin:
Louis Vuitton Becomes Latest Luxury Brand To Launch A Chatbot
vom 08.12.2017, (abgerufen am 09.01.2018)

[4] Pressemitteilung Google: Project Muze - Fashion inspired by you, designed by code
vom 02.09.2016, (abgerufen am 09.01.2018)

[5] Wirtschaftswoche: Per 3D-Scanner zum perfekten Outfit
vom 05.06.2016, (abgerufen am 09.01.2018)

[6] The Business of Fashion: The State of Fashion 2018, (abgerufen am 09.01.2018)

[7] Pressemitteilung der Deutschen Telekom: 3D Body Scan statt Kabine - Telekom verbindet erneut Fashion und Tech
vom 18.04.2018, (abgerufen am 09.05.2018)

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