Rückblick A.I. Bootcamp

Sprechen und hören, verstehen und handeln

Künstliche Intelligenz (KI) ist für die Deutsche Telekom ein großes Thema im Kundenservice. Aber man interessiert sich auch für die Anwendung in anderen Anwendungsbereichen und vor allem für den Austausch mit anderen Innovationstreibern der A.I. Branche. Zu diesem Zweck hatte die Deutsche Telekom am 18.01.2017 zwölf Start-ups aus Israel, Kanada, Polen, der Schweiz und den USA zu einem Bootcamp in die Räume der Tochterfirma hub:raum in Berlin geladen. Dort konnten sie ihre Ideen und Services aus den Bereichen Cognitive Science, Emotional Intelligence, Image & Speech Recognition und Deep Learning vorstellen.

Mit einer Keynote eröffnete Dr. Tina Klüwer das Bootcamp. Die Computerlinguistin mit langjähriger Erfahrung in internationalen Forschungsprojekten sowie Expertise in den Bereichen Dialogsysteme und sprachfähige Agenten sprach über Künstliche Intelligenz und die Schwierigkeit einer künstlichen Intelligenz beizubringen, ähnliche Dinge zu unterscheiden. Am Beispiel einiger Bilder zeigte sie, wie schwierig es sein kann, einen Rosinen- oder Blaubeer-Muffin von einem Chihuahua zu unterscheiden. Und wenn es dem Menschen schon zuweilen schwer fällt, wie soll das dann eine Maschine bewältigen? Auch Anfragen von Kunden, die sich nach ihrer Rechnung erkundigen, können ganz unterschiedlich sein, obwohl sie in der Aussagen ähnlich sind. “Wo ist meine Rechnung?”, “Wann bekomme ich meine Rechnung?” Andere Sprachen wie das Englische haben dann auch noch unterschiedliche Worte wie “bill” oder “invoice”. All das, was der Mensch oft intuitiv macht, muss eine KI berechnen.

Beim Experten-Panel diskutierten Dr. Tina Klüwer, Paul Thiekötter, Partner bei FlyVentures, Fabian Westerheide, Gründer von Asgard Capital, und Jan Hofmann, VP eCompany Products bei der Telekom, über aktuelle Trends und die Relevanz von KI. Einigkeit herrschte darin, dass der nächste große Entwicklungsschritt der intelligenten Maschinen darin bestehe, weg von manuell geschriebenen Programmen mit einer Vielzahl vorher zu definierender Regeln zu kommen, hin zu Programmen, die selbstständig von Daten und der Interaktion mit Menschen lernen.

Ein großes Problem auf dem Weg dahin sei jedoch, dass die Daten meist nicht in einer Form vorlägen, die für die Maschinen lesbar sei. Die bestehenden Datenbanken entsprechend „aufzupimpen“ oder die Daten sogar zunächst zu digitalisieren, sei eine wichtige Voraussetzung. Hier werden in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte gesucht werden, die diese Aufgabe übernehmen. Ein gutes Beispiel dafür, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze schafft und nicht nur Jobs vernichtet, wie oft befürchtet wird.

Auch in Zukunft werden die Maschinen den Menschen nicht ersetzen. Es wird vielmehr so sein, dass KI dem Menschen Standardaufgaben abnimmt und so zum Beispiel einem Call Center Agent mehr Zeit für wirklich beratungsrelevante Aufgaben gibt, ist sich Jan Hofmann sicher. Und so geht er auch davon aus, dass in spätestens zehn Jahren der Umgang mit KI und das Zusammenspiel zwischen digitaler/maschineller und analoger/menschlicher Intelligenz eine ganz natürliche Sache sein wird.

Die Start-ups, die sich präsentierten, nutzen die Möglichkeiten ihrer künstlichen Intelligenzen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. So analysiert beispielsweise ELLEN, die KI von Quantumlab aus Polen, die Reaktion auf Werbe- und Marketingkampagnen. Diese Reaktionen werden dann in Form objektiver Daten aufbereitet und verfügbar gemacht. ELLEN wird bereits von verschiedenen Marktforschungsinstituten und akademischen Forschern genutzt. Auch im praktischen Einsatz konnte sie erprobt werden: In Restaurants erkannte sie die Gefühle von Kunden und Angestellten und erleichterte so die Verkaufsprozesse.

 

Bei Fluent.ai Inc. geht es weniger um Reaktionen als um Absichten. Die voicebasierte Anwendung des kanadischen Start-ups erkennt sie, personalisiert und lernt dabei durch Kontext, Verhalten und Sprache – dies in jeder Sprache und mit jedem Akzent. Das Interaktionsinterface, mit dem dies möglich ist, lässt sich auch offline einsetzen oder in sehr lauten Umgebungen.

Der Gründer von Fred knows IT präsentierte einen Trouble-Shooter-Service, der Kunden dabei hilft, ihre IT-Probleme zum Beispiel beim Anschließen ihres Routers
 zu lösen. In einfachen Dialogen kommen die User ihrem Problem näher bis die KI die passende Lösung bereithält. Der Chatbot von Gigaaa wird noch entwickelt und soll bald im Apple App Store und Google Play Store verfügbar sein. Die Macher um Dragan Alexander Stevanovic und Thomas Geyer versprechen einen „Next Level Chatbot“.

Das Schweizer Unternehmen Spitch beschäftigt sich mit automatisierter Spracherkennung (ASR), biometrischer Stimmenerkennung, Voice User Interfaces (VUI) und der Datenanalyse der natürlichen Sprache. Das Unternehmen verschmilzt Mathematik mit maßgeschneiderten technologischen Anpassungen.

Bereits in einem späteren Finanzierungsstadium befinden sich die Start-ups, die sich im Anschluss vorstellten. Drei von ihnen kommen aus den USA, zwei aus Israel, wo in Tel Aviv eine lebendige Start-up-Szene existiert, und schließlich eines aus Deutschland sowie ein binationales Start-up mit Gründern aus Spanien und Deutschland.

Das erste der US-amerikanischen Start-ups, das sich vorstellte, heißt Cogito und will mit seiner Arbeit die Interaktion z.B. von Call Center Agents mit den Kunden verbessern. Dabei analysiert die KI Konversationen und unterstützt in Echtzeit den Kundendienst-Mitarbeiter, damit dieser besser auf den Anrufer eingehen kann.

Auch Gridspace beschäftigt sich mit der Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen. Das Start-up mit Niederlassungen in Los Angeles und San Francisco betreibt die führende Plattform für Conversational Intelligence. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen mündliche und schriftliche Kundendialoge analysieren. Auch hier geht es darum, die Kommunikation und den Kontakt mit dem Kunden zu optimieren.

Wie einfach es sein kann, Chatbots zu bauen, beweist Kitt.ai. Ihr so genannter ChatFlow ermöglicht Dialoge mithilfe von Informationen aus verschiedenen Quellen.

Auch Onvego will die Arbeit rund um Künstliche Intelligenz erleichtern. Das Start-up aus Israel bietet eine komplette Toolbox für Unternehmen und Entwickler an, mit der sie sprachbasierte Konversationsinterfaces bauen können. Die Plattform enthält eingebaute Lösungen für Natural Language Processing (NLP) und Artificial Intelligence (AI) Technologien, so dass Entwickler ohne spezifisches Know-how auf diesem Gebiet tätig werden können. Sie können nahtlos die entsprechenden Interfaces in ihre Produkte integrieren und so nutzerfreundliche und sprachgesteuerte Apps oder IoT-Anwendungen kreieren.

Das israelische Startup Lexifone geht in Sachen Spracherkennung weiter als reine „Sprache zu Text“-Services. Es ermöglicht durch seine Echtzeit-Übersetzung die Unterhaltung von verschiedensprachigen Teilnehmern an Telefon-Konferenzen, als hätte man den Babbel-Fisch aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ im Ohr.

TwentyBN kommt aus Berlin-Kreuzberg. Der Name steht für „20 Billion“, zu Deutsch: 20 Milliarden. So viele Nervenzellen arbeiten nämlich in unserer Großhirnrinde und machen das menschliche Gehirn so erfolgreich. Dieses Prinzip haben die Gründer nachgebaut und ein künstliches Hirn geschaffen, die so genannte Cortex. Dieses neuronale Netz ist ein Gebilde aus künstlichen Neuronen, das Dinge lernt, ähnlich, wie es Menschen tun. Es wird trainiert, damit es Bilder erkennt, Texte übersetzt, Fragen beantwortet und vor allem Muster erkennt.

Last but not least beschäftigt sich das deutsch-spanische Start-up Narrativa mit automatischer Auswertung großer Datenmengen. Ihr Bot mit dem Namen GabrieleAI lernt den Kontext und die Tonality von Daten mithilfe von Natural Language Generation. Daraus entstehen Texte, die mit denen der journalistischen Kollegen zum Teil schon durchaus mithalten können. Für Börsenberichte oder Fußballartikel wird dies schon genutzt und so können potenziell alle Spiele aller Ligen in einem Text münden – zur Freude der Fans.

Zur Freude der Teilnehmer ermöglichte das A.I. Bootcamp den Austausch unter Gleichgesinnten. „Neben dem Wissenstransfer geht es vor allem um Networking“, verriet einer der Gründer. Ein anderer sagte: „Ich liebe die informelle Atmosphäre hier im hub:raum. Das ist einer der wichtigsten Inkubatoren, für mich sicher der wichtigste.“

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